Was Gefühle wirklich sind

Gibt es gute oder schlechte Gefühle überhaupt? Was sind Gefühle eigentlich? Wo kommen sie her, und wo gehen sie hin?

 

Vor wenigen Monaten hat eine Erfahrung mein Fühlen für immer verändert, das möchte ich heute mit dir teilen.

 

Als ich vor einigen Monaten beschloss, in den Norden Thailands zu reisen, kaufte ich mir ein Zelt. Ich hatte gehört, dort würde ich wundervolle Nationalparks vorfinden, mit wilden Tieren, schönster Natur, Bergen, Wasserfällen, und vielem mehr.

 

Früh am Morgen kam ich an. Ich wollte den ersten Tag nutzen, um mich zu orientieren, einen schönen Platz für mein Zelt zu finden und anzukommen. Als ich aber nur wenige Minuten später Nok traf, änderten sich meine Pläne augenblicklich. Nok war eine sehr liebe Frau mit einer tiefen Geschichte. Sie lud mich ein, sie zu begleiten und den Tag mit ihr zu verbringen. Als ich ihr von meinem Vorhaben erzählte, da schlug sie vor, ich könne die erste Nacht bei ihr auf dem Grundstück verbringen, um mich schon einmal einzustimmen, hätte aber noch ein Bad, was die Sache doch sehr erleichtern würde. Dankbar für diese Idee, stimmte ich zu.

 

Als wir am Abend bei ihrer kleinen Hütte am Rand des Dschungels ankamen, wurde es bereits langsam dunkel. Auf der Terrasse empfing uns eine Frau, die ein paar Jahre älter zu sein schien. Sie musterte mich und warf Nok einen fragenden Blick zu. Nok gab mir ein Zeichen, dass ich warten sollte und ging auf die Frau zu, die wie ich nur wenige Minuten später erfahren sollte, ihre Schwester war. Und diese Schwester war gar nicht so begeistert von ihrer Idee, eine Wildfremde auf ihrem Grundstück zelten zu lassen. Überzeugungsversuche waren wohl chancenlos und Nok versuchte, mir mein Schicksal zu überbringen.

 

Wir waren zu dem Zeitpunkt bereits so weit von jeglicher Zivilisation entfernt, dass mir nichts übrig blieb, als meine Sachen zu packen, und tiefer in den Dschungel einzutauchen, in der Hoffnung, irgendwann eine Lichtung zu erreichen, auf der ich mein Zelt aufschlagen konnte. Da es mittlerweile fast dunkel war, wurde mir sehr schnell klar, müsste das möglichst innerhalb weniger Minuten erfolgen, denn ich besaß keine Taschenlampe, eine großartige Vorbereitung, ich weiß, und wer schon einmal in Südostasien war, der weiß, wenn man dort von Dunkelheit spricht, dann ist es auch dunkel, etwas, was man hier aufgrund der vielen äußeren Lichter kaum noch erleben kann.

 

Ich rannte also so schnell ich konnte, bis ich wirklich eine Fläche fand. Dort stand hohes Gras, das mir fast bis zu den Schultern reichte, jedoch waren einige breiteren Gänge und teilweise größere Bereiche plattgetrampelt. Ohne zu überlegen, suchte ich mir eine Ausbuchtung, und schlug mein Zelt auf. Als die Welt um mich herum nicht mehr sichtbar war, wo ich auch hinblickte, es war schwarz, tastete ich noch nach dem Eingang, ließ mich schließlich in mein Zelt fallen, und zog den Reißverschluss vor. Ich hatte es geschafft!

 

Aber die Erleichterung hielt nicht lange an. Als mein Atem langsam zur Ruhe kam, begann ich, zum ersten Mal meine Umgebung wahrzunehmen. Ich hörte Geräusche, die ich noch nie zuvor in meinem Leben gehört hatte, etwas tappte an der Zeltwand entlang. Es war so finster, dass ich nicht einschätzen konnte, ob das Tier, das sich nach einer nicht ganz so kleinen Spinne anhörte, das Außen, oder sogar das Innere meines Zeltes erkundete.

 

Was mir aber augenblicklich weitaus größere Sorgen machte war, als ich etwas wahrnahm, das mich erschauern ließ. Es waren Schritte, viele Schritte, dumpf und schwer. Schritte von Tieren, von einer Herde von Tieren. Tiere, die Größer waren als alles, was ich jemals außerhalb eines Zoos gesehen hatte. Oder anders ausgedrückt, Tiere, die ich lieber durch einen Zaun von mir getrennt beobachtete. Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Die Gänge in den Gräsern, die Flächen, die waren nicht einfach so entstanden! Die Gräser wurden von Tieren nieder getreten.

 

Diese Erkenntnis sorgte nicht gerade für Ruhe bei mir. Um ehrlich zu sein, ich stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch, als diese Tiere nun mein Zelt umkreisten und ich um mich herum deren Kraft spüren konnte. Mir war klar, sie könnten das Zelt problemlos eintreten.

 

Aber dann wurde mir bewusst, dass mich diese Angst nicht weiterbringen würde. Es würde nichts an der Situation verändern, wenn ich die Angst behielte. Sie würde mich schwächen, ich würde verrückt werden, denn ich wusste nicht, wie lange die Tiere blieben. Also traf ich eine Entscheidung. Ich entschied mich, mich nun zu beruhigen und zu versuchen zu verstehen, warum genau das gerade passierte und was es mir zeigen konnte.

 

Ich begann, bewusst auf meine Atmung zu achten, tief ein und aus zu atmen, bis ich mich selbst wieder spürte. Dann ging ich in mich und spürte die Angst, ich gab diesem Gefühl Raum, jedoch ohne es als Angst, als etwas Negatives zu bewerten, und nahm wahr, wie sich diese Emotion anfühlte.

 

Und genau dabei entstand eine der für mich wichtigsten Erkenntnisse, die ich hatte. Ich spürte diese Energie, die ich noch zuvor als Angst betitelt hatte, aber verstand auf einmal, dass sie gar keine Angst war. Es war eine sehr starke, kraftvolle Energie, die sich in meinem Körper ausgebreitet hatte. Ohne Bewertung konnte ich keinen Unterschied feststellen, zwischen dem, was ich Liebe nannte, und dem, was ich noch wenige Sekunden zuvor als Angst empfunden hatte. Es war ein reiner körperlicher Zustand, den ich spüren durfte, und nur ich selbst entschied, als was ich ihn erfahren wollte. Ich änderte meine Bewertung und traf die Entscheidung, diesen Moment und diese Energie nun als Liebe zu empfinden.

 

Augenblicklich änderte sich alles. Ich war zutiefst dankbar, dass ich diese unglaubliche Möglichkeit bekam, die Größe, Macht und Stärke dieser Tiere spüren zu dürfen und in dieser Sekunde zu erkennen, dass ich dem Leben niemals ausgeliefert bin, unabhängig davon, was um mich herum passiert. Denn eines, was mir nie jemand nehmen kann, das ist mein Bewusstsein dessen, was ich wirklich bin. In dem Moment verstand ich auch, dass mir nichts passieren könnte, da ich noch nicht bereit war, dieses Leben zu verlassen, sondern mir eine Aufgabe gesetzt hatte, die ich erfüllen würde.

 

Mein tiefes Urvertrauen überdeckte den letzten Rest der Angst und ich bekam die Möglichkeit, in Mitten von Wasserbüffeln zu liegen und zu sehen, dass diese wundervollen Wesen einfach zufrieden waren in ihrem Sein, und sich selbst in diesem Moment von nichts aus der Ruhe bringen ließen. Auch nicht von dem kleinen Mädchen, an deren Füßen, mit einem nun vor Glück bebenden Herzen.

 

Ich nutzte die Minuten tiefster Verbundenheit mit der Natur, den Tieren, allem um mich herum, mit mir, dafür, mich zu fragen, was für mich im Leben wirklich von Bedeutung war. Und so klar wie nie zuvor, erhielt ich meine Antworten, da ich mich entschieden hatte, mich wieder zu öffnen, anzunehmen, zuzulassen und zu vertrauen. Ich erkannte, wie viel mir meine Familie bedeutete, was ich so tief in meinem Herzen spürte, wie nie zuvor. Ich war also ans andere Ende der Welt gereist, um zu verstehen, wie wichtig mir die Menschen waren, die mich tagtäglich umgaben – ich hätte die Büffel knutschen können!;)

 

Es war ein Erlebnis, das mir klar gezeigt hat, ganz gleich was passiert, wenn du in einer Situation bist, die du dir bewusst nicht gewünscht hast, die du aber in diesem Moment nicht verlassen kannst, dann hast du immer noch dich selbst. Du bist dein Bewusstsein, was wählen kann, wie es diese Sekunde erfahren möchte. Du hast immer die Wahl, wie du dich, und den Moment wahrnehmen möchtest, und welche Erfahrung du daraus kreieren willst.

Mach was daraus!;)

 

Liebe und Vertrauen sind unsere Urgefühle. Wir können in jedem Hass die Liebe spüren, in jeder Angst das Vertrauen, wir können aus unseren dunkelsten Momenten Feuerwerke machen, wenn wir uns daran erinnern, wer wir wirklich sind. Liebe und Vertrauen liegen immer in uns, das sind wir.

 

Wir können aus dem Vertrauen keine Angst machen, außer wir lassen sie durch Bewertungen von etwas im Außen entstehen. Alles, was wir nicht sind ist etwas, was als Reaktion auf etwas entsteht, das sich im Außen ereignet. Und das was wir sind, das können wir im Außen ausdrücken, und uns gleichzeitig jederzeit als solches erfahren. Diese Energie, die Gefühle sind, fließt stetig durch uns hindurch. Wir können sie mithilfe unserer Gedanken schwächen oder verstärken, und ihr eine bestimmte Kraft geben, eine Farbe. Sobald wir an etwas denken, Bilder sehen, spüren wir die Energie fließen. Nun treffen wir unsere Bewertung dieser Energie häufig auf Grundlage der Gedanken, die in diesem Moment präsent sind. Denken wir an etwas, was wir als positiv empfinden, was wir sein und erleben möchten, dann bewerten wir die wachsende Energie als positiv. Denken wir aber an etwas, mit was wir uns nicht identifizieren, was wir schlecht finden, dann geben wir derselben Energie eine negative Bewertung, und nehmen sie als solche wahr. Gefühle und Gedanken verstärken sich nun gegenseitig, weshalb wir irgendwann das Gefühl haben, ihnen ausgeliefert zu sein. Dass aber nur eine Entscheidung zwischen Angst und Vertrauen, zwischen Wut und Liebe liegt, das hätte ich bis zu diesem Tag nicht gedacht.

 

Es war eine der kraftvollsten Erkenntnisse und daher möchte ich dich einfach einladen, solltest du etwas spüren, was du gerade nicht spüren möchtest, schließe einmal die Augen und nimm war, an was du denkst, das dieses Gefühl ausgelöst hat. Nun ändere entweder deine Gedanken, oder entscheide dich dafür, diesen körperlichen Zustand einmal als das wahrzunehmen, was er in Wahrheit ist, neutrale Energie, und ihm eine neue Bewertung zu geben.

 

Ich verspreche dir, dein Leben wird nicht mehr dasselbe sein!

 

 

 

Hast du auch schon Erfahrungen damit gemacht? Wie fühlt es sich bei dir an? Kritische Fragen, Anmerkungen?! Dann halte dich nicht zurück - ich freue mich auf deine Nachricht!:)

 

Ich wünsche dir noch einen wundervollen Tag!:)

Deine Katharina

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